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Irgendetwas klingt anders!

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Worüber im Gottesdienst gepredigt wird, welche Bibeltexte gelesen werden, welche Psalmen gebetet und welche Lieder gesungen werden – das alles ist kein Zufall. Die für die Evangelische Kirche deutschlandweit gültige „Perikopenordnung“ bildet eine einheitliche Richtschnur zur Auswahl der Texte und Lieder im Gottesdienst. Jeder Sonn- und Festtag ist in seiner „Klangfarbe“ über einen Zeitraum von 6 Jahren festgelegt, und dann geht es von vorne los.

Zugegeben, als Gottesdienstbesucher brauchen Sie sich damit nicht aktiv zu befassen. Der Psalm und die Lieder sind angeschlagen, und alles andere hören Sie ja im Verlauf des Gottesdienstes.

Wenn Sie aber neuerdings beim Kirchenbesuch manchmal das Gefühl haben, irgendetwas „klingt anders“, dann liegt das daran, dass die Perikopenordnung nun nach 40 Jahren -die Wurzeln reichen bis ins frühe Mittelalter zurück- eine Erneuerung erfahren hat, die mit Beginn des Kirchenjahres am 1. Advent 2018 gültig wurde.

Im Zuge der Perikopenrevision, an der ca. 7 Jahre gearbeitet wurde, wurde rund ein Fünftel der Texte komplett ausgetauscht, viele andere wurden neu angeordnet. Dabei wurden spürbare Akzente gesetzt: ein Drittel der Texte –und damit doppelt soviel wie vorher- stammt nun aus dem Alten Testament. Auch Texte wie das Buch Hiob oder der Kampf Jakobs am Jabbok, die eine große Resonanz in Kunst und Kultur gefunden haben, werden nun stärker berücksichtigt. Die Frauen in der Bibel bekommen mehr „Stimme“, und erstmals sind auch Psalmen als Predigttexte vorgesehen.Manches Wochenlied (gesungen üblicherweise vor der Predigt) stand bisher unter dem „Verdacht“, nur deshalb zum Wochenlied geworden zu sein, damit es überhaupt einmal gesungen wird. In der neuen Ordnung wurde die Auswahl vergrößert und mehr Wert auf zeitgenössische und gut singbare Lieder gelegt. Auch in der Aufteilung des Kirchenjahres gibt es eine Änderung. So dauert die Epiphaniaszeit nun immer bis Lichtmess (2. Februar), die Vorpassionszeit verkürzt sich dadurch. Neue Gedenktage wurden eingeführt, z.B. der Tag der Maria Magdalena (22. Juli), und noch einiges mehr.

Die neue Perikopenordnung ist keine Revolution, sondern eine behutsame Anpassung, die dem Gottesdienst mehr Bezüge zu unserer heutigen Lebenswelt eröffnen soll. Sie sind eingeladen, diesen Schatz zusammen mit den Predigern und Predigerinnen zu heben.

Text: Jürgen Kern                         Bild: pixabay/Didgeman